Mit Smart As… landet der erste Gehirn-Trainer auf der PS Vita. Handelt es sich hier nur um einen lieblosen Klon vom populären „Doktor Kawashimas Gehirn Jogging“ des Nintendo DS oder kann das Spiel mit neuen Ideen punkten? Bringt es überhaupt was, dieses Training täglich durchzuführen? Lest den Test, und ihr werdet schon vor dem Kauf von Smart As… ein wenig schlauer.


Und los geht’s!

Bloß keine Rechtschreibfehler
Auf keinen Fall handelt es sich hier um ein gewöhnliches Gehirnjogging – Smart As… ist etwas Besonderes, das merkt man von Beginn an. Nach dem ersten Start wird man von seinem Coach begrüßt, mit Späßen und Veralberungen. Dieser ist nämlich nicht sonderlich ernst, sondern nimmt sich, den Spieler und dessen Freunde gerne mal auf die Schippe. Das ist nicht nur beim Intro der Fall, sondern wird das ganze Spiel über durchgezogen, sei es, wenn man seine Resultate verschlechtert, oder wenn man den persönlichen Bestwert aufstellt. So hebt sich das Spiel angenehm von anderen Gehirntrainern ab, ohne lächerlich zu wirken.


Eine nette Begüßung!


Gewöhnlicher Solo-Umfang
Die Spielinhalte sind für Einzelspieler genügend. Im Modus „Freies Spiel“ kann man sich an allen 20 Minispielen von Smart As… in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden probieren. Den Schwierigkeitsgrad „Leicht“ kann man noch mit verbundenen Augen absolvieren, wogegen der höchste, „Genie“, deutlich kniffliger und sehr fordernd ist. Hier trainiert man in der ersten der vier Kategorien Rechnen beim Kopfrechnen schon mal mit vierstelligen Zahlen oder muss so schnell wie möglich herausfinden, ob 6–2x0.75 größer, kleiner oder gleich 4+5x0.5 ist. Bis zu drei Sterne kann man sich dabei verdienen, wofür man sehr schnell überlegen muss. In der zweiten Kategorie, Logik, bewegt man beispielsweise durch Neigen der PS Vita einen Würfel an sein Ziel. In der Rubrik Sprache hingegen entfernt man das unpassende Wort aus der Reihe oder muss mit vorgegebenen Buchstaben ein sinnvolles Substantiv formen. So erweitert man seinen Wortschatz. In Beobachtung merkt man sich Folgen von Gegenständen und trainiert hauptsächlich sein Gedächtnis. Bei einem Spiel konnte ich bisher sogar die AR-Cards benutzen.
Die Spiele sind zwar alle grundsätzlich verschieden und sehr abwechslungsreich, dennoch hätten es mehr als nur 20 sein können.



Die vier Kategorien. Ein Stern zeigt, dass man ein neues Spiel in dieser Kategorie freigeschaltet hat.

Das war aber noch nicht alles. Der eigentliche Kern des Spiels liegt nämlich in der täglichen Übung. Aus allen vier Kategorien gilt es hier, je ein Minispiel zu lösen, und so einmal täglich zu trainieren. Der Clou: Mit den vier Rubriken trainiert man jeden Bereich des Gehirns. Nach Abschluss werden alle vier Ergebnisse bewertet und der Durchschnitt gebildet. Dieser Wert ist der „Gehirnschmalz“. Dieses Ergebnis kann man sofort bei Twitter oder Facebook posten, um vor seinen Freunden zu protzen.
Hier habe ich einen kleinen Selbsttest durchgeführt: Sieben Tage lang habe ich mich dem Training gestellt, davon fünf Tage in völliger Ruhe und Konzentration und zwei Tage an einem öffentlichen Ort.



Am 30.11. war ich wohl sprachlos.

Vom ersten (73%) bis zum letzten Tag habe ich mich demnach um 7% verbessert. Tatsächlich fühle ich mich z.B. beim Kopfrechnen viel sicherer und werde in der Schule nicht mehr den Taschenrechner für Rechnungen wie 173+229 zücken. Vor allem habe ich mich aber im Bereich Logik gesteigert. Mit Smart As… habe ich mir angeeignet, dreidimensional und voraussehend zu denken, womit ich vorher meine Probleme hatte.
Welche die beiden Tage waren, wo ich in der Öffentlichkeit trainiert hatte (um genau zu sein: In der Pausenhalle der Schule), ist deutlich sichtbar: Es war der 27.11. und der 29.11. jeweils mit 71%. Unmittelbar nach dem Frühstück habe ich die besten Werte erzielt, wogegen ich vor dem Schlafengehen nur mittelmäßige Ergebnisse erreicht habe.
Ich werde die tägliche Übung auf jeden Fall regelmäßig weiterführen.

Bin ich ein Experiment?
Solche Diagramme sind nicht die einzigen Statistiken, durch die man sich wühlen kann. Es gibt etliche Vergleiche mit Freunden oder Fremden. Clever: Jeden Tag vor dem Training muss man eine spezielle Frage beantworten, zum Beispiel: „Trägst du lieber Jeans oder Stoffhosen?“. Je nachdem, was man wählt, kann man seinen Statistikbereich erweitern. Nun kann man nachsehen, ob man zu den schlausten Jeansträgern gehört oder Baseballcap-Träger schlauer sind als Träger anderer Mützen. Die Masse an Ranglisten gilt es erst mal zu durchforschen! Sogar die geringen Ladezeiten sind interessant, denn da erfährt man beispielsweise, dass das Gehirn 1350 Gramm wiegt, 100 Milliarden Neuronen in jenem enthalten sind, oder man zu den besten 20% Deutschlands gehört. Die klügsten Menschen auf der Welt wohnen übrigens in Malaysia, die hellsten Europäer sind Bewohner Österreich und in Deutschland wohnen die Schlauesten in Magdeburg.



Die weltweite Tagesrangliste. Da besteht wohl noch Steigungspotenzial!

Moderne Aufmachung

All die Späße des Coaches, die einen oft zum Schmunzeln bringen, die voll genutzte Auflösung der PS Vita oder auch die Einbindung sozialer Netzwerke sprechen für eine moderne Präsentation. Der Sound ist eine typische, nachdenkliche Melodie und die Sprechblasen blubbern vor sich hin. Steuern tut man es auch ganz „smart“, fast ausschließlich mit dem Touchscreen und selten mal mit dem Touchpad. Die Ergebnisse der Rechnungen schreibt man auf Tafeln. Meistens werden sie auch erkannt, wenn das aber mal nicht der Fall ist, dann ist das sehr ärgerlich. Das Spiel verteilt nämlich Zeitstrafen für falsche Ergebnisse, wodurch drei Sterne schnell mal in weite Ferne rücken, sobald man sich verschreibt. Besonders oft ist das bei der Ziffer „2“ passiert, die manchmal als „7“ oder „5“ erkannt wird. Dennoch ist das Schreiben der Ergebnisse so gut gelöst. Hat man sich daran gewöhnt, wie man die Zahlen schreiben muss, damit Smart As… sie auch immer richtig deutet, dann geht das flüssig und ohne Probleme von der Hand.

Noch mehr Herausforderungen
In die Online-Modi kann man sich bei Smart As… durchaus auch mal verirren, denn hier gibt es neben weiteren Ranglisten und near-Herausforderungen auch den Street Smart-Bereich. Hier wird die eigene Umgebung gescannt und an bestimmten Punkten nach bestimmten Zeitabständen eine Herausforderung generiert. Diese Herausforderungen, die meistens aus 3 bis 4 zufälligen Spielen in zufälligen Schwierigkeitsgräden bestehen, sollen so gut wie möglich gemeistert werden. Nun werden alle Zeiten addiert und anhand dieser Gesamtzeit kann man sich mit anderen Spielern in der Nähe dieses Standortes vergleichen. Leider war es das auch schon, was man Online machen kann. Ein Echtzeit-Duell gegen andere Personen wäre beispielsweise toll gewesen.


Das Spiel Kettenreaktion scheint harmlos. Man muss die gleichfarbigen Punkte verbinden, ohne, dass sie sich mit andersfarbigen kreuzen. Mit 16 Punkten und vier verschiedenen Farben sieht das allerdings schon anders aus!


Fazit: Smart As… ist kein gewöhnlicher Coach. Dank moderner Präsentation, abwechslungsreichen Spielen, jeder Menge Statistiken und viel Humor erlangt es den Thron der Gehirntrainer!

Pro:
+ tägliche Übung
+ moderne Präsentation
+ guter Coach
+ viele Ranglisten und Diagramme
+ volle Auflösung
+ abwechslungsreiche Minispiele…

Kontra:
- …von denen es leider nur 20 gibt
- Online wenig möglich

Wertung
Gameplay: 9
Grafik: 8
Sound: 10
Multiplayer: 7

Insgesamt: 34/40 Punkte (85%)