Endlich, einen Monat nachdem die Amerikaner das Spiel schon fröhlich daddeln können, erscheint Sly Cooper: Jagd durch die Zeit auch in Deutschland. In der Tat handelt es sich dabei um den Nachfolger von Sly 3: Honor among thieves, welcher im Jahre 2005 für PlayStation 2 erschien. Ganze 8 Jahre wurde es also still um den Titel, der damals unter der Leitung von Sucker Punch zu überzeugen wusste. Nun haben die Jungs von Sanzaru Games ihr bestes gegeben, um auch den vierten Teil der drei befreundeten Räuber in Erfolg glänzen zu lassen.


Sly, Murray und Bentley - die 3 guten Räuber
Noch vor dem Start des eigentlichen Spiels sammelt Sly Cooper: Jagd durch die Zeit durch die Möglichkeit, seinen Spielstand in 32 verschieden Slots zu speichern, die ersten Pluspunkte. So sollte es also kein Problem sein das Spiel mit seinen 31 Geschwistern (oder Freunden?) zu teilen. Anschließend bekommt man die Story in Form eines Videos präsentiert, welche man sich schon in der Demo verinnerlichen konnte. Diese Videos kommen unverständlicher Weise in einer ungewöhnlich schlechten Qualität daher, das kennt man sonst nur von Resistance: Burning Skies. Inhaltlich sind die Story-Videos und auch die Aufträge an sich sehr lustig gestaltet. Keine 10 Sekunden vergehen ohne Gags, die manchmal gut, manchmal weniger gut landen. Aber selbst die etwas flacheren Witze scheinen dem Spiel einen gewissen Touch zu verleihen, der irgendwie zu überzeugen weiß.


Auf mysteriöse Weise verschwindet die Freundin von Slys Freund Bentley, der daraufhin bemerkt, dass sich aus dem uralten Buch des Meisterdiebes, in welchem das brisante Wissen des gesamten Cooper Clans zusammengetragen wurde, die Seiten aufzulösen scheinen - und mit ihnen auch seine Freundin. Er verliert keine Zeit, trommelt seine beiden Freunde herbei, die bei einem Abenteuer natürlich nicht nein sagen können und schnell stecken die drei in einem wilden Abenteuer zwischen Raum und Zeit. Noch zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass die drei natürlich keinen bösen Räuber sind. Als Meisterdieb stielt Sly zusammen mit seinen Kumpels nur Dinge, die bereits gestohlen wurden. So reisen die drei also zusammen mit einem Auto durch die Zeit, welches Superhirn Bentley gebaut hat, um das Vermächtnis des Cooper Clans und Bentleys Freundin zu retten.


Jeder wie er kann
Gameplay-technisch präsentiert sich Sly Cooper: Jagd durch die Zeit gekonnt abwechslungsreich. Als Waschbär Sly schleichen und springen wir an Gegnern vorbei, Nilpferd Murray benutzt seine Fäuste als schlagende Argumente und Schildkröte Bentley hackt sich in die Computer ein. Jeder hat also seine eigenen Stärken und wird in den einzelnen Aufträgen entsprechend eingesetzt. Zusammen bilden die drei ein tolles Team, welches in jedem Kapitel durch einen Vorfahren von Sly ergänzt wird. Diese lassen sich nämlich auch spielen und bringen besondere Fähigkeiten mit sich, so stellen wir uns im wilden Westen als Tennessee Kid Cooper den wildesten Schießereien, während Rioichi Cooper aus Japan seine Ninja Künste unter Beweis stellt und über weite Strecken springen kann. Sly besitzt zudem die Fähigkeit in verschiedene Kostüme zu schlüpfen, mit deren Hilfe er etwa über Laser rollen kann (ja, rollen!), von Feuer unbeschadet bleibt oder aus weiter Ferne auf Gegner springt. In dem Spiel erwarten uns einige Missionen wie wir sie schon aus der Demo kennen, in denen sich die einzelnen Charaktere je nach Aufgabe abwechseln müssen um zu ihrem Ziel zu gelangen. Die Steuerung geht dabei sehr leicht von der Hand und lässt sich schnell erlernen. Wirklich schwierig sind die Aufträge auch dank zahlreichen Speicherpunkten nicht, eine Herausforderung darf man mit dem Spiel also nicht erwarten. Dass das Spiel relativ einfach ist hat aber rein gar nicht gestört, frustrierende Momente gab es beispielsweise kaum. Bei manchen Spielen funktioniert der leichte Schwierigkeitsgrad doch auch Mal ganz gut. Dass Gegner aber direkt neben dem Spieler nicht mal merken, wenn er laut ein Tor öffnet oder Gegenstände zerschlägt, ist dann doch etwas weit hergeholt. Auch die sehr langen Ladezeiten machen sich öfters negativ bemerkbar.


Als ob einem mit den unterschiedlichen Figuren nicht genug Abwechslung geboten sei, lockern diverse Minigames das Spielgeschehen deutlich auf. So tanzen wir zur Abwechslung als Murray in einem Guitar-Hero ähnlichen Spiel vor den Gegnern, um diese abzulenken, bringen einem Vorfahren von Sly in einem Training bestehend aus mehreren Minispielen wieder auf Trapp, düsen mit einem ferngesteuertem Auto hinter dem Feind hinterher, um ihn zu belauschen und hacken uns immer wieder zu als Bentley in Systeme ein. Die meisten Spiele wissen zu gefallen, andere wenige wiederum können auch ein wenig stören.


Zwischen den einzelnen Aufträgen finden wir uns in verschiedenen Unterschlüpfen wieder, in denen wir einen Charakter aussuchen können, mit dem wir spielen. Aber halt, auszusuchen gibt es eigentlich nicht viel, denn meistens wird einem vorgeschrieben, welcher Auftrag als nächstes zu erledigen ist. Das sorgt zwar wie gesagt für Abwechslung, führt aber auch dazu, dass man mit Charakteren spielen muss, die einem eventuell weniger gefallen.


Im Unterschlupf können wir auch bisher schon erledigte Aufträge erneut spielen und via Zeitreise in andere Gebiete zurückkehren. Außerdem können wir Sly mit einem Kostüm versehen, um auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Sogar für eine Partie Tischtennis ist der Unterschlupf gut. Neben der Tischtennis Platte steht eine Arcade-Maschine, welche allerdings erst funktioniert, sobald wir alle Schätze aus der Gegend eingesammelt haben. Dies kann mitunter eine Weile dauern, denn bis man in den Open World Arealen alle Schätze gefunden und diese in einer bestimmten Zeit nach Hause transportiert hat, können schon mal einige Stunden vergehen. Die offene Spielwelt, die wir mit einem beliebigen Charakter betreten können, weiß zu gefallen.


Während wir unsere Umgebung erkunden oder verschiedene Aufträge erledigen, können wir massenhaft Münzen einsammeln, die wir gegen neue Fähigkeiten für unsere Charaktere eintauschen können. Das motiviert unheimlich und erzeugt Spannung, denn die Fähigkeiten lassen sich erst nach und nach kaufen. So kann Sly schon bald mit einem Paragleiter durch die Gegend fliegen oder sich mit einer Rauchbombe verdünnisieren. Murray wird mit der Zeit, wie sollte es anders sein, immer stärker und Bentley lernt immer neue Wege seine Bomben einzusetzen.


So sieht ein gelungener Port aus
Wenn man davon ausgeht, dass Sly Cooper: Jagd durch die Zeit für die PlayStation 3 entwickelt und für die PS Vita portiert wurde, kann man durchaus sagen, dass dies gelungen ist. Grafisch macht die PS Vita Version zwar gegenüber der PS3 Abstriche was Detailreichtum, Effekte und Farbgebung anbelangt, trotzdem schaut das Spiel auf der PlayStation Vita noch sehr gut aus, was unter anderem auch der vollen Auflösung zu verdanken ist, die leider in Kombination mit dem fehlendem Anti Aliasing nicht hoch genug zu sein scheint, wenn man das Kantenflimmern begutachtet, was auch bei diesem Vita Spiel wiederzufinden ist. Leider sieht man aber auch relativ häufig ein paar Rückstände der Portierung, so läuft das Spiel auf der PS Vita regelmäßig mit etwas wenig Bildern pro Sekunde. Das passiert beispielsweise bei großen Arealen, ist aber noch vertretbar. Bei einem Kampf gegen einen Endgegner kam leider öfters ein Effekt, der die PS Vita an ihre Grenzen brachte und die FPS für einen Augenblick dramatisch sinken ließ - das hätte man durchaus nachbessern können. Das ist aber jetzt schon Meckern auf hohem Niveau, wenn man das Spiel mit anderen Vita Games vergleicht kann man es durchaus als umwerfend bezeichnen.


Der Soundtrack lässt den Spieler sofort in die geheimnisvolle Atmosphäre eintauchen und tut sein übriges zu dem Spiel bei. Passender hätte die Musik kaum sein können. Die deutsche Synchronisation ist fabelhaft witzig, wenn manchmal die Sprecher während einer Mission auch ein wenig leise sind und Tipps geben, die man nur erfährt, wenn man auch mit Ton spielt.


Fazit: Lustiges, abwechslungsreiches Jump 'n' Run - Ein Must-Have für jeden Genre-Fan
Insgesamt kann man sagen, dass andere Entwickler sich durchaus ein Beispiel an Sanzaru Games nehmen sollten, was die Portierung von PS3 Titeln für unseren geliebten Handheld anbelangt. Die Umsetzung des Spiels ist sehr gut, das abwechslungsreiche Gameplay weiß in Kombination mit der interessanten und lustig präsentierten Story, sowie den unterschiedlichen frei-begehbaren Arealen durchweg zu gefallen, der Umfang reicht für viele viele Stunden Spielspaß, insbesondere wenn man nach Schätzen Ausschau hält. Ohne Bedenken lässt sich an dieser Stelle eine Empfehlung an alle Genre-Fans aussprechen, auch wenn man bisher noch keinen Sly Cooper Titel in die Finger bekommen hat. Solche Titel braucht die Vita!

+ Spannende, interessante, lustige und gut präsentierte Story
+ Sehr abwechslungsreiches Gameplay mit vielen Minispielen
+ Viele verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten...
+ ... welche mit der Zeit durch Münzen erweitert werden können
+ Tolle deutsche Synchronisation
+ Gelungene Steuerung
+ Viele unterschiedliche Umgebungen in den einzelnen Episode
+ Ausgezeichnete Grafik in voller Auflösung,...
- ... welche leider manchmal ein bisschen ins Stottern gerät
- KI ist ziemlich dumm
- Teils recht lange Ladezeiten
- Manchmal ruckelnde Kamera

Wertung
Story: 10
Gameplay: 8
Grafik: 9
Sound: 10
Ladezeiten, Kameraprobleme.: -1

Insgesamt: 36/40 Punkten (90%)