Starke Grundlage mittelmäßig umgesetzt
Storymäßig werden hier Elemente geboten, die "von realen geschichtlichen Ereignissen inspiriert" sind. Dass das jedes zweite Spiel behauptet, muss ich wohl an dieser Stelle nicht erwähnen. Aber das heißt nichts schlechtes, denn die Geschichte an sich dauert eine Weile an - 15 Stunden wird man wohl zu tun haben - und gespickt mit Wendungen und Intrigen.
Zumindest auf dem Papier. Leider wird das Ganze nicht sonderlich gut verpackt: Langweiliger könnte ein Missionsdesign kaum sein. Den Großteil des Spiels verbringt man mit dem Erreichen des nächsten Standortes. Als Lady verkleidet, dauert das sehr lange. Endlich den Standort erreicht, heißt es nur "Infiltriere Gebiet A", "Erledige Person B", "Kehre zu Ort C zurück" und "Sprich mit Person D".
Apropos Verkleidung: Hier bietet das Spiel einen Vorteil gegenüber dem großen Bruder. Man kann seine Kleidung wechseln und so entweder das volle Waffenarsenal als Assassine..nin genießen, sich als Sklavin unauffällig unter seinesgleichen mischen oder als Lady die Wachen betören. Daraus ergeben sich verschiedene Wege zur Lösung der Missionen.
Ein Pluspunkt ist die große, frei begehbare offene Welt, die viel Abwechslung bietet. Entweder schwimmt man eine Runde, schwingt im Sumpf umher, beobachtet Sklaven auf der Farm bei der Arbeit oder klettert über Dächer in größeren Städten. Hier hat man sich offensichtlich Mühe gegeben. Die erstaunlich belebten Straßen, auf denen Verkäufer, Beamte, ja sogar Hunde, Vögel, Ratten uvm. zu finden sind, schaffen eine gute Atmosphäre, die nur durch stets wiederholende Gespräche der Zivilisten und kleinere Bugs getrübt wird. Abseits der Story werden übliche Nebenmissionen wie Verfolgungen oder Auftragsmorde geboten.
Die Kehrseite der Medaille
Diesen Mehrspielermodus (und er wird nicht erweitert) kann ein einigermaßen erfahrener Entwickler mit ein paar Stunden Kellerarbeit selbst produzieren und kostenlos anbieten! Wer es noch nicht kennt - es erinnert an typische "Gangster-" oder "Mafia-" Browsergames, wo man für die eigene Seite in textbasierten Kämpfen gegen andere Spieler antritt. Spannung? Nada. Action? Nix da. Schade. Near-Daten können versendet werden.
Nicht uneingeschränkt zu genießen
Grafisch macht das Spiel einen wunderbaren Eindruck. Es besitzt etwa ein Niveau auf der Höhe von Uncharted: Golden Abyss - allerdings mit dem Abstrich, dass die Gesichter der Charaktere nicht sonderlich anschaulich sind - mit riesiger offenen Welt. Kantenflimmern fällt leider häufig auf, dafür gibt es viele schöne Lichteffekte, vor Allem in Traumsequenzen. Einziger wirklicher Minuspunkt ist das leichte Ruckeln, vor allem beim Klettern auf Dächern.
Besser mit PS Vita-Lautsprechern spielen
Leider fällt die andere Hälfte der Audiovisualisierung enttäuschend aus. Einerseits kann sie durch die belebte Welt mit dementsprechend vielen Geräuschen überzeugen, andererseits ist die Vertonung der Charaktere miserabel. Hört man sich eine Zwischensequenz mit Kopfhörern an, hört es sich seltsam direkt nah dran an, obwohl die Charaktere von der Kamera logischerweise ein Stück entfernt sind. Immerhin ist das Spiel zu 100% auf Deutsch.
Bewertung
Spoiler:
Pro:
+ Ordentliche Solo-Spielzeit
+ Verschiedene Lösungswege durch Verkleidung
+ Große, Offene Welt
+ Dichte Atmosphäre
+ An sich spannende Geschichte
+ Super Grafik
+ Deutsche Synchronsprecher...
Kontra:
- ...die leider schlecht vertont sind
- schwaches Missionsdesign
- lächerlicher Mehrspielermodus
Assassin's Creed 3: Liberation ist zwar der beste mobile Ableger der Reihe, kann aber leider weder mit den hohen Erwartungen noch mit den Konsolen-Versionen mithalten.





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