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Thema: Im Test: Need for Speed für PS4

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    Beitrag Im Test: Need for Speed für PS4

    Need for Speed

    Besser spät als nie präsentieren wir euch heute unseren PS4-Test zum aktuellsten Ableger der traditionellen Rennspiel-Serie Need for Speed. Nachdem die Serie zuletzt wieder etwas stagnierte, rückte Elektronic Arts vom jährlich Zyklus ab und konzentrierte sich auf den "Reboot". Wir haben das neue Need for Speed mitsamt aller erschienen Updates auf Motor und Getriebe geprüft und berichten in unserem Artikel von den nächtlichen Straßenrennen durch Ventura Bay. Kann Entwickler Ghost Games der Serie neue Impulse setzen oder scheitert der Open-World-Racer am eigenen Anspruch?



    Reboot, aber nicht ‘back to the roots’

    Need for Speed kann mittlerweile auf eine Vergangenheit von über 20 Jahren zurückblicken. Gestartet auf der ersten PlayStation, begann es mit auf klassischen Rundkursen. Immer im Vordergrund standen dabei schicke Sportwagen. Im dritten Teil, Hot Pursuit, kam dann die Polizei als Gegenspieler dazu. Nachdem der Serie irgendwann die Ideen ausgingen, begann die Serie mehrere Wege zu gehen und setzte dabei auch auf verschiedene Entwicklerstudios.

    Mit Need for Speed Underground, Most Wanted und Carbon wurde die Serie zunehmend in die Richtung Stadt-Straßenrennen gebracht. Mit den Ablegern Shift und Pro Street orientierte sich hingegen am Genre der Motorsportrennen. Durch die verschiedenen Ausrichtungen und den jährlichen Release-Rhythmus scheint ein wenig die Identifikation verloren gegangen zu sein. Der neuste Teil erscheint daher ohne Namenszusatz und macht deutlich, für was die Serie stehen möchte. Zuständig für die Entwicklung ist das schwedische EA-Entwicklungsstudio Ghost Games, welches sich zuvor für das solide Need for Speed Rivals verantwortlich zeichnete (und eine 7 von 10 bei uns erhielt).


    Kein Spiel für Moralaposteln

    Illegale Straßenrennen am späten Abend mit aufgemotzten PS-Monstern auf dunklen, fast unbefahrenen Straßen – das klingt nicht neu – und das versucht es auch nicht zu sein. Bereits der Einführungsfilm, der uns versucht in das Geschehen einzubinden, zeigt deutlich, dass die Kinofilme um „The Fast in the Furious“ als Ideengeber dienten. Dieses Mal sind wir weder Cop noch Killer, sondern „einfach“ nur ein neuer Emporkömmling, welcher sich einer Streetracing-Crew anschließt. Moralaposteln sollten nicht vergessen, dass wir es hier mit einem Videospiel zu tun haben. Daher sollte niemand verwundert sein, wenn die illegalen Straßenrennen hier relativ konsequentbefreit verlaufen. Entgegen dem langjährigen Trend, Spielszenen mittels 3D-Grafik umzusetzen, setzt Entwickler Ghost auf (überspringbare) Filmaufnahmen mit Laienschauspielern und bindet uns per Ego-Perspektive ins Geschehen ein. Obwohl das Spiel auch fortan immer wieder von Videosequenzen und Telefonanrufen unserer Crew-Mitglieder begleitet wird, existiert aber keine ernsthafte Geschichte. Das ziemlich überdrehte, „auf cool-gemachte“-Setting dient eher als Knotenpunkt, um die vielen Missionen auf der Karte miteinander zu verbinden. Folglich gibt es auch keine Charakterentwicklung oder so etwas wie „emotionale Bindung“.



    Glücklicherweise wurden wir prompt in das Spielgeschehen transportiert und durften die meiste Zeit aktiv auf den Straßen von Ventura Bay verbringen. Da sich Need for Speed als Open-World-Rennspiel versteht, dürfen wir schon nach kurzer Zeit die Stadt frei befahren. Sowohl Pflicht- als auch optionale Rennen sind auf der Mini-Karte eingetragen, wie wir das auch von anderen Spielen gewohnt sind, die sich einer „offenen Welt“ bedienen. Die Spielwelt bietet laut Entwickler Ghost dabei doppelt so viele Straßen, wie der quasi-Vorgänger Need for Speed Rivals. Die sechs Distrikte sind vollständig befahrbar und bieten von Stadtvierteln über Bergerhöhungen und großen Brücken typisches Metropolen-Ambiente. Ob mehr an dieser Stelle besser ist, sei mal dahingestellt – klassische Rennspiele mit dezidierten Strecken bieten in der Regel die Abwechslung durch verschiedene Regionen, Untergründe und Klimazonen.


    Rennen um „REP“ in der offenen Welt

    Spielerisch bleibt Need for Speed seinen Wurzeln treu. Trotz durch Updates hinzugefügtem manuellen Modus und diversen Einstell- und Tuningmöglichkeiten, versteht sich Need for Speed als reinrassiger Arcarde-Racer. Die Steuerung ist eingängig, die Kontrolle über das Fahrzeug jederzeit gut, so dass schnell Freude am Fahren aufkommt. Grundsätzlich entschieden kann zwischen Grip und Drift werden. Während Grip, wie der Name schon vermuten lässt, einem sicheren Halt auf dem Asphalt zu Gute kommt, bietet Drift mehr Dynamik in den Kurven. Waghalsige Manöver werden in Need for Speed darüber hinaus mit REP-Punkten honoriert. REP-Punkte dienen sowohl dem Level-Aufstieg (bis Level 50), als auch dem Guthaben – sie sind die Währung im Spiel. Diese Punkte sind also sowohl die Eintrittskarte zu späteren Events, als auch die Mittel für Tuning-Teile und neue Fahrzeuge. Positiv anzumerken: Entgegen dem aktuellen Trend wurden wir nicht genötigt, Punkte für Echt-Geld zu erwerben, um im Spiel fortzuschreiten.



    Drehkreuz für unsere Modifikationen ist die Garage, die wir schon früh zu Beginn des Spieles nutzen dürfen. Hier dürfen wir Tuning-Teile, Folien und Sticker für unsere neuen Fahrzeuge erwerben. Die Auswahlmöglichkeiten gehen durchaus in Ordnung, können aber nicht mit einem Forza oder Gran Turismo mithalten. Dies gilt auch für die Anzahl der Fahrzeuge, die aber immer noch stattlich ist und viele schicke „Flitzer“ bietet. Dazu gehören u.a. der Porsche 911 GT3, BMW M6, Lamborghini Diablo SV, Ferrari F40 und Klassiker wie der ursprüngliche Golf GTI. Besitzen könnt ihr in eurem Depot bis zu 10 Fahrzeuge – zum Release waren es lediglich fünf Stellplätze.



    Was wirklich angenehm ist, dass wir die Rennen unmittelbar ohne große Unterbrechung starten können. Auch können wir uns zu den verschiedenen Events über die Karte teleportieren. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, dass wir selten auf Erkundungstour waren – in jedem Fall erweist sich diese Designentscheidung als praktisch. Apropos Erkundung – wer mag, der kann mit seinem Wagen an verschiedenen Aussichtspunkten halten und Fotos schießen. Dies wird ebenfalls mit REP-Punkten belohnt.



    Im Verlaufe eines Jahres hat sich übrigens einiges getan. So wurden nicht nur Fehler korrigiert und die Stabilität verbessert, sondern auch reichlich Content nachgeliefert. Neben neuen Trophäen, Dragster-Rennnen und Hotrods wurde die manuelle Schaltung eingeführt, der Fuhrpark erweitert sowie Speed- und Driftrennen hinzugefügt. Mit den neuen SpeedLists wurden der Online-Modus durch 5er-Rennserien ergänzt.


    Gegen die Polizei und „Ellbogen-KI“

    Neben einer Welt und schicken Fahrzeugen braucht es natürlich auch Gegner. Neben der Möglichkeit, online gegeneinander anzutreten, können wir uns auch mit der künstlichen Intelligenz duellieren. Schließlich ist die Nacht dauerhaft jung und unsere Crew-Mitglieder lassen sich nicht zwei Mal bitten. Die Fahrweise unserer Kontrahenten kann dabei durchaus als „ruppig“ bezeichnet werden. Während wir bei Vollspeed durch enge Straßen flitzen, behilft sich die KI gerne mal eines Remplers. Das führte das ein oder andere Mal dazu, dass wir ein Rennen wiederholen mussten. Gleichzeitig einher geht aber auch, dass hier keine Mario Kart-ähnliche Gummiband-KI eingesetzt wird. Wer als entsprechend vom Weg abkommt, der kann sich die vorderen Plätze schnell abschminken.

    Da unsere Rennen alles andere als angemeldet sind, stoßen wir häufiger auf die Polizei. Die Gesetzeshüter, dessen Rolle in diesem Titel leider nicht eingenommen werden kann, hängen sich bei Regelverstößen gerne an die Stoßstange oder blockieren die Straße mit einer Sperrung. Gegen unsere hochmotorisierten Boliden kann die Polizei jedoch schnell nicht mehr anstinken, so dass sich diese leicht abhängen lässt. Werden wir erwischt, kommt uns dies in Form von Geldstrafen teuer zu stehen.


    Mehr Spieler, aber nicht daheim

    Need for Speed ist ein klassischer Online-Racher, auch wenn Electronic Arts mittlerweile mit der Solo-Lobby etwas zurückgerudert ist und dem Online-Zwang damit entgegenwirkt. Es spielt nur ein Kopf pro Bildschirm - ein Splitscreen-Modus gibt es nicht. Damit disqualifiziert sich der Titel zumindest als Party-Kracher für ein gemütliches gemeinsames Zocken mit Freunden.

    Need for Speed setzt auf gut vernetzte Spieler, ähnlich wie es The Crew schon vorgemacht hat. Über das Internet lässt sich dann aber auch so ziemlich alles, was das Spiel so bietet, gemeinsam erleben. Durch die Stadt "cruisen", einen Startpunkt für ein bestimmtes Rennen anvisieren und gegen Freunde fahren? Kein Problem. Was gegen die Computer-KI funktioniert, geht auch gegen Online-Rivalen. Da weder unsere Leitung, noch die Server von Electronic Arts zickten, konnten wir problemlos unsere Runden drehen - auch nicht in den 8er-Crew-Rennen.



    Nachtleben

    Je schwärzer die Nacht, desto schöner das Spiel. Need for Speed ist die Eule unter den Rennspielen. Denn die prächtige optische Fassade von Ventura Bay zeigt sich ausschließlich in der Nacht - ein Davor oder Danach haben die Entwickler nicht vorgesehen. Das hängt natürlich mit dem Setting zusammen. Der Reboot von Need for Speed setzt wie seine Serienvertrerer Unterground und Most Wanted auf illegale Straßenrennnen. Denn wie sagte Hans Kasper, "bei Nacht sinkt all die Moral".

    So passt die Nacht zu Need for Speed, wie das Yin zum Yang. Dank der hauseigenen Frostbyte-Engine, die sich in Battlefield und mittlerweile auch in FIFA17 bewährt hat, sieht das Erlebnis grandios aus. Die sechs Bezirke von Ventura Bay strotzen voller Details, schönen Spiegelungen und insbesondere künstlichen Lichtstimmungen. Insbesondere bei Niederschlag zeigt sich der Open-World-Racer von seiner schönsten Seite, indem sich Autos, Reklame und Straßenbeleuchtung im nassen Asphalt reflektiert. Trotz allem Lob - verglichen mit Ubi Softs Konterpart The Crew: Wild Run fehlt allerdings der unbedingte Erkundungswille, da markante Sehenswürdigkeiten fehlen. Auch die Städte von GTA 5 und dem neuen Watch Dogs 2 wirken abwechslungsreicher und lebendiger.



    Schick sind auch die Fahrzeuge im neusten Need for Speed. Die Boliden aus Need for Speed wurden bis ins kleinste Detail nachgebildet und lassen sich durch Tuning- und Editierfunktionen individuell anpassen. Ein wenig schade dagegen, dass die Prachmodelle keine Cockpit-Perspektive spendiert bekommen haben.

    Need for Speed präsentiert sich in einer Auflösung von 1920x1080 und konstanten 30 Bildern pro Sekunde. Letzteres klingt nicht viel, jedoch attestieren wir dem Spiel jederzeit und jederorts einen flüssigen Ablauf und Ausreißer. Das Geschwindigkeitsgefühl ist dabei gut umgesetzt worden und kommt ohne übertriebene Unschärfe- oder Bloom-Effekte aus.



    Was geht ab? Electro!

    Im Bereich Sound lässt Electronic Arts seit eh und je nichts anbrennen. Das fängt an mit wuchtigen Soundeffekten, satten Motorgeräuschen und hört auf bei der bedachten Auswahl passender Tracks. So finden sich untermalende Elektro-Stücke u.a. von Photek, Aero Chord, Majo Lazer und Avicii auf der Blu-Ray.

    Während deutscher Text auf der PlayStation 4 dem Standard entspricht, waren wir überrascht, dass auch die Filmsequenzen deutsch vertont wurden. Die deutsche Synchronisation ist durchaus in Ordnung, ändert jedoch nichts an den oberflächigen Crew-Gesprächen, den wenig inspirierenden Kommentaren sowie den regelmäßigen, nervigen Telefon-Anrufen.


    Need for Speed PSVita-Forum.de Test Fazit
    Need for Speed ist schön, schnell, prima spielbar und klingt gut. Durch mehrfache Updates und Erweiterungen ist Ghost Games zweiter Anlauf ein gutes Spiel geworden und insgesamt besser als Rivals. Dennoch ist nicht alles Gold, was im nassen Asphalt glänzt. So fehlt Ventura Bay nicht nur die Sonne, sondern auch irgendetwas markantes und irgendwann auch die Abwechslung. Sowohl bei der KI, der Handlung und im Tuning ist noch Luft nach oben. So ist Need for Speed wieder ein gutes, zweifellos empfehlbares Rennspiel, jedoch nicht der ganz große Wurf, den wir uns durch einen Reboot erhofft hatten. Vielleicht gelingt dies dem Nachfolger im kommenden Jahr.

    Need for Speed PS Vita PS4 Logo 8/10


    Das hat uns gefallen...
    + beeindruckend schöne Nachtrennen
    + schicke, reele Fahrzeuge
    + Tuning- und Gestaltungsmöglichkeiten
    + gute, präzise Spielbarkeit (Arcade)
    + Open-World mit vielen Missionen
    + gute Geräusch- und Soundkulisse
    + einige nette Extras durch kostenlose (!) Updates
    + deutscher Text und Ton
    und das nicht!
    - uninspierende Handlung mit pseudo-coolen Charakteren
    - keine Cockpit-Perspektive
    - die Spieltwelt ist wenig abwechslungsreich
    - ausschließlich Nachtfahrten
    - kein Splitscreen (Mehrspieler)
    - rüpelhafte KI
    Geändert von Björn (03.12.2016 um 00:02 Uhr)

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