Mit Dragon’s Crown steht der PS Vita ein weiteres Rollenspiel ins Haus, und der ein oder andere wird sich denken: „Noch mehr Rollenspiele?“. Zu Recht, denn RPGs gibt es auf der PS Vita schon zuhauf. Warum also sollte man sich dieses Spiel dann kaufen? Ob und warum man sich Dragon’s Crown von VanillaWare und Atlus trotzdem mal anschauen sollte, erfahrt ihr im Review.



Bereits im Intro wird man von einer Frau mit einem ausgesprochen großen Hut begrüßt.

Von Dübeln und Drachen
Die Story von Dragon’s Crown ist einfach gestrickt und schnell erklärt: Hydeland wird von allerlei Monstern wie Harpyien oder Golems und zudem von einem riesigen Drachen bedroht und einige unerschrockene Kämpfer, also ihr und eure (bis zu 3) Partner, seid auserkoren Hydeland zu verteidigen. Das geschieht in vielen Haupt- und Nebenquests, in denen ihr mit männlichen, oder nach Wahl auch mit großzügig gestalteten weiblichen Charakteren an eurer Seite in den Kampf zieht.

Der Hauptunterschied zwischen Dragon’s Crown und anderen Rollenspielen liegt in der großartigen zweidimensionalen Welt, die komplett handgezeichnet ist. Der Titel ist also kein Schnetzler aus der Vogelperspektive wie zum Beispiel Dungeon Hunter Alliance, sondern ein Sidescrolling-Rollenspiel, bei dem man stets von links nach rechts läuft. So etwas gab es vorher noch nicht auf der PS Vita und macht sich nach kurzer Eingewöhnungszeit hervorragend, zumal das Artdesign wirklich bezaubernd ist.

Ein Merkmal „normaler“ Rollenspiele ist dafür wieder die Wahl zwischen sechs verschiedenen Klassen, die sich für Anfänger oder Profis eignen. Ob geschickter Magier oder protziger Krieger, für jeden Spielertyp ist eine passende Klasse dabei. Die Möglichkeiten der Personalisierung fallen dagegen bescheiden aus, so kann man nur wenige äußerliche Eigenschaften, wie die Farbe der Rüstung, ändern.



Getötete Gegner lassen Münzen fallen, die zum Konto- und Punktestand addiert werden.

Das Spiel bietet 9 Schauplätze zum Bekämpfen unterschiedlichster kleiner und großer Gegner, was nicht gerade viel ist. Immerhin hat man nach einiger Spielzeit die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Wegen in einer Umgebung, die sich allerdings ähneln. In jedem Gebiet kann man zahlreiche Schätze, versteckte Wege, oder auch Knochenhaufen von verstorbenen anderen Kriegern finden. Die schafft ihr dann in die Stadt, welche Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist, und wo man sich mit Items versorgt oder neue Aufträge annimmt. Mit den Knochen im Gepäck begibt man sich sodann zur Kirche und lässt den toten Kämpfer von einem Priester wiederbeleben, damit dieser einen dann in zukünftigen Missionen unterstützen kann. Alternativ kann der Kadaver auch begraben werden und mit etwas Glück erhält man dafür eine Prämie.

Am Ende eines blutigen Kampfes holt man sich seine in Schatztruhen gefundenen Kampfutensilien ab und verdient zudem Erfahrungspunkte. Der Spieler kann sich bis Level 99 ausbilden und die Statuswerte verbessern sich kontinuierlich.

Bereits nach kurzer Spielzeit fällt allerdings ein gravierender Nachteil des Sidescrolling-Spielprinzips auf, denn wenn man mit drei anderen Charakteren, also zu viert, in den Kampf zieht, geht schnell die Übersicht verloren und man weiß nicht mehr wo der eigene Spieler ist. Das kann einem schnell auch mal das Leben kosten.



Geschlagene Säbelzahntiger oder Dinosaurier können als Reittiere verwendet werden.

Geht nun mal eines der kostbaren wenigen Leben verloren, kann man sich gegen Zahlung einer hohen Summe während des Gefechts wieder zwei weitere dazukaufen, das Gleiche gilt auch für die Kameraden, die grundsätzlich unvorsichtiger mit ihren Lebenspunkten umgehen und öfter sterben als man selbst. Dennoch machen die KI-Kollegen stets einen guten Job.

Wem das nicht genug ist, der kann natürlich auch Online mit drei anderen Personen Quests erledigen. Dafür gibt es sogar eine Cross-Play-Funktion zwischen der PS Vita und der PS3, die mit dem ersten Update für Dragon’s Crown nachgereicht wurde.

Ein echtes Kunstwerk
Wie schon in anderen Abschnitten des Reviews erwähnt, ist Dragon’s Crown komplett handgezeichnet und spielt damit grafisch in einer Liga mit Rayman Legends. Die vielen Farben sorgen für Freude, die volle Auflösung der PS Vita wird natürlich genutzt und die Gestaltung der männlichen und besonders der weiblichen Charaktere sorgt für fröhliche Gemüter. Die Bewegungen laufen in flüssigen Animationen ab und während des Gefechtes gibt es ein wahres Effektgewitter.

Einzig negativ fällt auf, dass das Spiel zu leichten Rucklern neigt, wenn zahlreiche Monster gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden, was noch zusätzlich zum besagten Verlust des Überblicks beisteuert.


Effekte wie zum Beispiel diese Lava sehen großartig aus.


Nun aber zum größten Kritikpunkt für den ein oder anderen Spieler: Dragon’s Crown gibt es nur auf Englisch oder Japanisch. Eine deutsche Sprachausgabe oder wenigstens deutsche Texte sind nicht vorhanden. Was für den einen kein Problem darstellt, verursacht bei anderen Spielern das Wegklicken der gut vertonten englischen Texte, sowie zum Nicht-Durchlesen der Einführungstexte von Quests. Unauffällige Musik umrahmt das Geschehen während eines Kampfes.

Da kommt doch die Frage auf, wofür die Entwickler so lange gebraucht haben. Einige Wochen sind zwischen dem Release in Amerika und in Europa verstrichen, doch nichts hat sich in der Zwischenzeit an dem Spiel geändert.


Ein schöner Ausblick, der das Zeug zum Kunstwerk hat!


Pro:
+ Grundsolides RPG-Gameplay
+ Innovatives Sidescrolling-Prinzip
+ Hervorragende Grafik
+ Mehrspielermodus mit PS3

Kontra:
- Gelegentliches Chaos auf dem Bildschirm
- Nur 9 unterschiedliche Schauplätze
- Nur englische oder japanische Sprache

Fazit: Wer von Rollenspielen auf der PS Vita nicht genug hat, und trotzdem etwas Neues für sich entdecken will, sollte sich Dragon’s Crown unbedingt mal anschauen. Das innovative Gameplay und die todschicke Optik machen einen großen Reiz aus.

Wertung:
Gameplay: 9
Grafik: 10
Sound: 6
Multiplayer: 8

Insgesamt: 33/40 Punkte (83%)