Die Freude war groß als auf der gamescom 2013 eine PlayStation Vita Fassung von Borderlands 2 angekündigt wurde. Immerhin gilt das Ego-Shooter-Rollenspiel für viele Fans der PC oder PS3 Version als bestes Spiel aus dem Jahr 2012 - und das nicht zu unrecht, denn der Titel erhielt durchschnittlich eine Wertung von sage und schreibe 90 Prozent. Borderlands 2 für PS Vita ist insbesondere deswegen so interessant, weil der Umfang riesig und eine Portierung auf einen Handheld aus vielerlei Gründen für nahezu unmöglich erscheint. Ob der Shooter auf der PS Vita trotzdem Anklang findet und funktioniert klärt der folgende Test.


Durch das Öffnen einer sagenumwobenen Kammer im ersten Teil von Borderlands wurde, wie der Spieler zu Beginn erfährt, der mysteriöse Alien-Rohstoff Eridium freigesetzt. Natürlich gibt es einen Bösewichten, der es auf jenen kostbaren Rohstoff abgesehen hat: Handsome Jack. Dieser ist als Boss des Waffenherstellers Hyperion extrem reich und hat das Ziel, den ganzen Planeten Pandora nach seinen Vorstellungen zu "zivilisieren". Um dieses Vorhaben zu verhindern, haben sich vier mutige, sogenannte Kammerjäger auf den Weg gemacht, von denen allerdings nur einer einen hinterhältigen Anschlag von Handsome Jack überlebt. Nämlich der, den wir von den vieren zu Beginn ausgewählt haben. Jeder von ihnen besitzt einzigartige Fähigkeiten. So kann der Gunzerker Salvador vorübergehend mit zwei Waffen feuern ohne dabei Munition zu verbrauchen. Maja kann Gegner in einem Kraftfeld festhalten und Zer0 macht sich kurzzeitig unsichtbar. Ohne Zweifel wäre es nützlich gewesen über die einzelnen Fähigkeiten informiert zu sein bevor man seine Auswahl trifft, da diese Entscheidung überaus wichtig ist, aber darauf verzichtet Borderlands 2 unglücklicherweise. Abgesehen von der eigentlichen Hauptstory findet man das Spiel auf der Vita mit 6 kostenlos enthaltenen DLCs in einer erweiterten Fassung vor. Allerdings ohne exklusive Inhalte.

Alles im Blick: Die Weitsicht ist auch auf der PS Vita fabelhaft - selbst weit entfernte Vögel sind zu sehen.
Alles im Blick: Die Weitsicht ist auch auf der PS Vita fabelhaft - selbst weit entfernte Vögel sind zu sehen.

Claptrap: „Dance, dance, baby“
Claptrap, ein kleiner nützlicher aber auch nerviger Roboter ist damit beschäftigt die Überreste der Kammerjäger einzusammeln, als er feststellt, dass überraschenderweise doch einer von ihnen den Angriff von Jack überlebt hat. Nachdem der Spieler die erste Mission, nämlich zu einem etwa 1,5 Meter entfernten Schrank zu gehen, diesen zu öffnen und uns mit einer ersten Waffe zu versorgen, erfolgreich erfüllt hat - „Später, wenn du mit einer Blitze speienden Waffe Monster von der Größe eines Wolkenkratzers tötest wirst du auf diesen Moment zurückblicken und milde lächeln“ - dauert es auch nicht lange bis zum ersten Kampf. Denn Kämpfe stehen in Borderlands 2 wie erwartet im Vordergrund. Und hier werden auch die reichlich vorhandenen Rollenspielelemente des Titels sichtbar: Der Charakter lässt sich leveln und mit ihm alles andere, denn je höher das Level desto besser die Waffen und stärker die Gegner. Prinzipiell nüchtern betrachtet ein witzloses System, weil man zu keinem Zeitpunkt übermächtig wird. So ist man aber gezwungen stets Ausschau nach neuen, besseren Waffen, Artefakten, Grantenmodi und Schilden zu halten. Und das macht Spaß! Der durch unsere Waffen verursachte Schaden steigt bis zum Ende des Spiels um über das 100.000-fache an. Da die Gegenstände zufällig generiert werden gibt es mit über 17 Millionen verschiedenen Waffen mehr als genug zu erkunden.

Willkommen in der Stadt Opportunity in Borderlands 2 auf PS Vita!
Willkommen in der Stadt Opportunity in Borderlands 2 auf PS Vita!

Borderlands 2 lässt sich nicht mal eben in 4 oder 5 Stunden durchspielen. Abgesehen davon, dass es derart viele Story-Missionen gibt, dass man allein dadurch schon deutlich, deutlich länger Beschäftigung findet, ist das Erledigen von Neben-Missionen des Öfteren auch erforderlich. Schließlich benötigt man für bestimmte Missionen ein bestimmtes Level und zum Aufsteigen eignen sich Missionen nun einmal am besten. Genau genommen kann man auch mit einem niedrigeren Level antreten, aber die Einschätzung des Spiels was den Schwierigkeitsgrad anbelangt ist mit "hart" oder "unmöglich" mehr als präzise. Wenn Borderlands 2 eines nicht ist, dann ist das einfach.

Nicht nur der dynamische Tag-Nacht Wechsel, sondern auch die unterschiedlichsten Umgebungen sorgen für genügend Abwechslung.
Nicht nur der dynamische Tag-Nacht Wechsel, sondern auch die unterschiedlichsten Umgebungen sorgen für genügend Abwechslung.

Trotz der Menge an Missionen schafft das Spiel etwas, was andere Spiele nicht schaffen: Es wird nicht langweilig. Das mag einerseits an dem Level-System und den abwechslungsreichen Missionen liegen, andererseits aber auch am Humor. Unser treuer Roboter-Begleiter Claptrap trägt uns so zum Beispiel die Mission auf, als erstes 139.377 braune Steine zu sammeln, dann den Lord der Skags zu erledigen, danach den verloren Stab von Mount Schuler zu klauen und dann den Zerstörer der Welten zu besiegen, um anschließend zu Claptraps Vergnügen zu tanzen, um wiederum Zugang zu seinem Geheimversteck zu erhalten. 5 Sekunden nach Erhalt der Mission offenbart sich jedoch das ach so geheime Versteck. Borderlands 2 ist vollgepackt mit lustigen Passagen, die einem oft ein Lächeln ins Gesicht zaubern und nicht selten sogar ein Lachen abgewinnen.

„Join the resistance“ - trete dem Widerstand bei!
„Join the resistance“ - trete dem Widerstand bei!

Heute leveln, morgen leveln, übermorgen leveln
Erfahrungspunkte sammelt man nicht nur durch das Erledigen von Missionen, sondern auch mit jedem einzelnen Abschuss eines Gegners. Desto stärker die Gegner, desto mehr Erfahrung. Ab Level 5 erhält der Spieler pro Level einen Fähigkeitspunkt, mit dem die besondere Fähigkeit des Charakters aktiviert werden und weitere individuelle Bereiche verbessert oder neue Fähigkeiten hinzugefügt werden können. So gibt es hier verschiedene Skill-Trees (Fähigkeiten-Bäume), wobei die interessanteren Fähigkeiten erst im späteren Verlauf erworben werden können. Richtig interessant wird es nämlich erst mit Level 31, denn dann gelangt man bei einem der drei Skill-Trees bis zum unteren Ende und ist somit in der Lage, die spannendste der Fähigkeiten oder Verbesserungen zu erwerben. Im Fall von dem Assassinen Zer0 beispielsweise ist es dann möglich länger als 6 Sekunden unsichtbar zu bleiben, wenn man während der Unsichtbarkeit Feinde im Nahkampf tötet. Damit ein Feind auf dem ersten Schlag im Nahkampf besiegt werden kann gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten diese Fähigkeit bei Zer0 auszubauen: Durch die Skill-Trees kann der Schaden im Nahkampf massiv gestärkt werden. Zusätzlich gibt es Schilde und Artefakte die ebenfalls Schaden im Nahkampf verursachen. Darüberhinaus können unterschiedlichste Aspekte des Charakters über sogenannte Badass-Token verbessert werden, welche man durch das Absolvieren von Herausforderungen, wie zum Beispiel das Töten von 100 Feinden im Nahkampf, erlangt. Man spezialisiert seinen Charakter also über unterschiedlichste Arten auf eine besondere Fähigkeit oder als Allrounder.

Zer0s Action Skill: Einen holographischen Köder erschaffen, für ein paar Sekunden verschwinden und anschließend bis zu 650% mehr Nahkampfschaden verursachen.
Zer0s Action Skill: Einen holographischen Köder erschaffen, für ein paar Sekunden verschwinden und anschließend bis zu 650% mehr Nahkampfschaden verursachen.

Die ständige Angst
Borderlands 2 ist ein wirklich tolles Spiel, das jeder Shooter-Fan einmal gespielt haben sollte - das steht außer Frage. Die PS Vita Umsetzung allerdings hat ihre Schwächen, welche sich derzeit teilweise gravierend auf den Spielspaß auswirken. Damit sind keine kleineren Bugs gemeint, die sich einfach umgehen lassen. Bei sowas ist man bei einem Spiel mit einem solch großen Umfang gerne tolerant. Das größte Problem liegt derzeit viel eher in sporadischen Abstürzen, die zu oft den letzten Nerv kosten. So muss man teilweise eine Mission über 10 mal von vorne anfangen und stets mit der Angst leben, das Spiel könne sich schon im nächsten Moment erneut verabschieden. Denn dann fängt man nicht, wie man eigentlich vermuten könnte, am letzten Speicherpunkt an, sondern an dem Punkt, wo man dem jeweiligen Areal beigetreten ist. Und diese Areale fallen mitunter riesig aus, sodass schon mal ein paar Stunden vergehen können für eine Mission, die normalerweise recht zügig erledigt sein könnte. Wenigstens den Großteil der gesammelten Gegenstände und Erfahrungspunkte aber behält man dabei.

Die Texturen sind ganz unterschiedlicher Qualität: Diese Tür beispielsweise sieht auch aus nächster Nähe, im Gegensatz zu den umliegenden Texturen, in 960x544 Pixel bombastisch scharf aus.
Die Texturen sind ganz unterschiedlicher Qualität: Diese Tür beispielsweise sieht auch aus nächster Nähe, im Gegensatz zu den umliegenden Texturen, in 960x544 Pixel bombastisch scharf aus.

Grafisch präsentiert sich der Titel überraschend gut. Zwar fallen einige Effekte wie jegliche Schatten weg, die man von den Konsolen oder dem PC kennt, mit der vollen Auflösung und teilweise erschreckend hoch aufgelösten Texturen und einer großen Weitsicht aber punktet das Spiel auf dem Vita Bildschirm. Dass sich erledigte Gegner in Luft auflösen stört nicht. Die akustische Kulisse setzt das Visuelle künstlerisch in Szene und die Leitmotive bleiben, wie es sich gehört, im Ohr. Gegner lassen sich, anders als bei misslungenen Shooter-Umsetzungen wie Call Of Duty: Black Ops Declassified, über den Sound ausfindig machen, dank den Stereo-Lautsprecher der Vita sogar manchmal ohne Kopfhörer. Was aber hingegen unheimlich stört ist die niedrige Bildrate. So ruckelt das Spiel gerne konstant bei 20 Bildern pro Sekunde oder gar weniger herum und erreicht nur unter ganz bestimmten Bedingungen die gewünschten 30. Zusätzlich erschweren kurze Hänger das schnelle Reagieren in hitzigen Gefechten. Ein Shooter lebt förmlich von den FPS. 30 Bilder pro Sekunde sind unabdingbar und alles darunter stört den Spielablauf. Auch hier muss noch mit einem Patch ausgebessert werden.

Sanctuary ist eine Art Hauptstadt der „Guten“ in Borderlands 2. Dort gibt es neben allerlei Leuten auch noch Waffen und viele Missionen...
Sanctuary ist eine Art Hauptstadt der „Guten“ in Borderlands 2. Dort gibt es neben allerlei Leuten auch noch Waffen und viele Missionen...

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass der PS Vita einige Knöpfe fehlen, die man bei PS3 oder PC zur Verfügung hat. So kommen zusätzlich zu den normalen Buttons noch der Touchscreen sowie das rückseitige Touchpad jeweils links und rechts unten zum Einsatz, sprich 4 zusätzliche Eingabemöglichkeiten. Das wird vielerorts als Anlass zur Kritik genommen: Man betätige aus Versehen Funktionen und nach längerem Spielen tue die Hand weh. Dem können wir nicht zustimmen, die Steuerung funktioniert ganz wunderbar und hätte nicht besser gelöst werden können. Erstmals lässt sich bei einem PS Vita Shooter die Steuerung sogar komplett individualisieren, wenn gewünscht. Und auch nach mehrstündigen Sessions verweigern unsere Hände ihre Dienste nicht. Bravo!

Glück am Spielautomaten: Gaaaaaanz viel kostbares Eridium, mit dem sich Kapazitäten für Munition und Gegenstände erhöhen lassen.
Glück am Spielautomaten: Gaaaaaanz viel kostbares Eridium, mit dem sich Kapazitäten für Munition und Gegenstände erhöhen lassen.

Zusammen sind wir stark?
Einst war bei dem PS Vita Port die „volle 4-Spieler Kooperativ-Erfahrung“ angepriesen. Vermutlich aufgrund von Performance-Problemen wurde daraus leider nichts: Auf der PS Vita kann man sich höchstens mit einem Freund gegen Handsome Jack und seine Handlanger verbünden. Wie bereits zuvor erwähnt ist das Spiel teilweise knackig schwer. Deswegen kann es besonders für Anfänger sehr nützlich sein zusammen mit einem Freund zu spielen, was den Schwierigkeitsgrad je nach Levelunterschied der Charaktere und Mission erheblich vereinfacht. Ob man nun zusammen den Bösen einheizt oder sein Geld in einer Bar an Spieleautomaten vergeudet - zusammen ist das Spiel noch um einiges lustiger. Nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit die fahrbaren Untersätze, die hier und da bei größeren Arealen einiges an Zeit ersparen, zu zweit zu benutzen: Einer am Steuer und einer hinter der Kanone. Besonders witzig ist die Fahrphysik, die darauf programmiert ist den Wagen nicht umkippen zu lassen. Gesammeltes Eridium erhalten beide Spieler, um herumliegende Munition, Medikits und Waffen darf man sich streiten. Falls gerade kein Freund für eine Party Borderlands zu haben ist, kann man das eigene Spiel auch öffentlich machen und darauf warten, das ein anderer beitritt oder einfach bei jemand anderem beitreten. Im Match Browser wird neben Level des jeweiligen Spielers auch die aktuelle Mission angezeigt. Es werden automatisch passende Mitspieler gesucht.

„Dieses Fahrzeug kann in einem Koop-Spiel alle 4 Spieler transportieren.“ - Autsch! - diesen Satz hätte man in der Vita Version wohl ausbessern müssen...
„Dieses Fahrzeug kann in einem Koop-Spiel alle 4 Spieler transportieren.“ - Autsch! - diesen Satz hätte man in der Vita Version wohl ausbessern müssen...

Borderlands 2 PSVita-Forum.de Test Fazit
Das Zauberwort lautet Patch! Borderlands 2 für PS Vita braucht einen Patch, der die Abstürze behebt! Erst danach wäre es möglich, dem Spiel eine faire Wertung zu vergeben. Aber der Port wurde, so könnte man meinen, im Alpha Stadium veröffentlicht - zum Ärger der Fans. Das eigentliche Spiel als solches könnte kaum besser sein, aber die Abstürze und die konstant niedrige Bildrate schaden dem Titel ungemein. Das Spiel ist aber so gut und unheimlich fesselnd, dass man trotz der schwächelnden Umsetzung für PS Vita keine schlechte Wertung vergeben kann. Wer Borderlands 2 schon auf dem PC oder auf der PS3 gespielt hat, der sollte momentan die Finger von dem PS Vita Port lassen. Jeder, der die Mischung aus Shooter und Rollenspiel mag und so etwas für die Hosentasche haben möchte, dem sei der Titel trotz allem ans Herzen gelegt. Ein Patch ist angekündigt - sollte dieser die erwünschten Verbesserungen mit sich bringen, wird unsere Wertung erneuert.
Borderlands 2 PS Vita PS4 Logo 7/10

Das hat uns gefallen...
+ Tolle Optik mit nativer Auflösung...
+ 2-Spieler-Koop Spaß...
+ Unglaublicher Umfang mit DLCs
+ Fesselnde Story
+ Ausgereiftes motivierendes Leveling-System
+ Vielzahl an Waffen und Ausrüstung
+ Genialer Humor
+ Interaktive, offene Welt
+ Grandioser Soundtrack
+ Gute Einstellungsmöglichkeiten
und das nicht!
- ... aber auch Schwächen
- ... aber 4 wären spaßiger
- Sporadische Abstürze
- Konstant niedrige Bildrate
- allerlei kleinere Bugs