Es gibt wahrlich nicht viele Exklusiv-Kracher für PS Vita, und dennoch erscheinen immer wieder mal einige Lichtblicke. Einer dieser könnte auch Invizimals: Das Bündnis sein. Das Spiel aus dem Hause Novarama vermischt Pokémon-ähnliche Gameplay-Elemente mit der Augmented-Reality-Technologie, und stellt somit das PS Vita-Debüt der vorher auf der PSP beheimateten Invizimals-Reihe dar. Ob den Entwicklern der mittlerweile fünfte Teil der Serie gelungen ist, erfahrt ihr im Review.



Die Hauptzentrale und Übersicht über alle Spielmodi

Monsterhatz im eigenen Haus
Eines vorweg: Invizimals ist definitiv kein Spiel für den ruhigen Zocker-Abend. Am besten spielt man den Titel nämlich tagsüber, und man sollte sich zudem auf Bewegung einstellen. Im Grunde unterteilt sich das Spiel in zwei Kernelemente: Zum einen die Monsterjagd mittels Augmented-Reality und zum anderen die actionreichen Kämpfe mit den eigenen Invizimals gegen andere. In der Hauptzentrale greift man so zum Beispiel auf das Schattentor zu und öffnet das Buch der Fänge. Hier wählt man das Tierchen aus, das man nun gerne fangen möchte. Jetzt gilt es in einer Reihe von kleinen Reaktionstests das Invizimal in der eigenen Umgebung zu finden. So muss der Spieler mal eine bestimmte Farbe aufsuchen, mal ganz ruhig auf der Stelle stehen bleiben, oder den Geräuschen des Monsters folgen. All diese Minispielchen haben eine Zeitbegrenzung, sodass es im späteren Spielverlauf teilweise schwer und frustrierend wird.

Ein Manko ist hierbei vor Allem die schlechte Kamera: Wenn man den bestimmten verlangten Grünton im eigenen Haus endlich gefunden hat, verdirbt die schlechte Farberfassung der Kamera die Runde. Bei anderen Fangmethoden kann selbst ein großes Zimmer zu klein für das Fangen sein, denn wenn der Spieler beispielsweise dem flüchtenden Invizimal folgen muss, stößt er schnell auf eine Wand oder der Titel verlangt, dass man aus dem Fenster klettert. Allerdings stellen solche Ärgernisse eher die Ausnahme dar und die meisten Minispiele laufen ohne Probleme ab.


Die AR-Minispiele sind meist gut gelungen und teilweise sogar recht beeindruckend.

Ist ein weiteres der knapp 150 Invizimals einmal gefangen, können Kämpfe damit ausgetragen werden. So kann man in der Arena wahlweise Einzelkämpfe oder Turniere durchführen. Während die Turniere aus drei Kämpfen innerhalb eines KO-Systems bestehen, müssen sie erst in den besagten Einzel-Partien freigeschaltet werden. Entweder man kämpft alleine oder zu zweit. Allerdings gibt es meist nicht viel zu tun in der Arena, und die Kämpfe gegen die KI sind selten eine Herausforderung. Das Kampfsystem hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Pokémon-Reihe von Nintendo. Jedem Invizimal stehen vier unterschiedliche Attacken zur Verfügung, die nach Einsatz eine kurze Zeit zur Regeneration brauchen. Neben einer Lebensleiste steht auch eine begrenzte Kondition zur Verfügung, die beim Angreifen, oder auch beim Einsatz des Schildes der den eigenen Schaden reduziert, abnimmt. Ist die Kondition aufgebraucht, dann ist das Invizimal nicht mehr in der Lage anzugreifen und muss sich für einen kurzen Moment ausruhen. Die gegnerische KI stellt sich allerdings als nicht sehr intelligent heraus und nutzt eigene Schwächen kaum aus.

Ganz in Pokémon-Manier gehört jedes Monster einem Element an, und im Stein-Schere-Papier-Prinzip fügt es so bestimmten anderen Monstern mehr bzw. weniger Schaden zu. Ebenso gibt es einige Items, die in begrenzter Anzahl verfügbar sind, so zum Beispiel besondere Spezial-Attacken, die beim Einsatz die Steuerungsmöglichkeiten der PS Vita ausreizen. Ganz wie das Nintendo-Pendant spielen sich die Kämpfe dann aber doch nicht, da sich das eigene Monster Third-Person-ähnlich auf dem Spielfeld frei bewegen lässt und auch die Kamera frei einstellbar ist. Zusätzlich können die Invizimals im Falle eines 2-vs-2-Kampfes auch besondere Teamattacken durchführen.


Die Kämpfe sind sehr dynamisch und bieten auch taktische Elemente

Kleine Anhängsel
Mit den Kämpfen steigen die Invizimals und auch der Spieler selbst immer weiter im Rang auf. So kann man die Fähigkeiten der Monster verbessern und bei bestimmten Levels entwickeln sie sich sogar äußerlich weiter. Mit dem Steigen des Gesamtrangs schaltet man außerdem neue Funktionen im Spiel an sich frei.

Im Laufe der Zeit wird das Hauptquartier so immer größer. Neben dem Schattentor und der Arena gesellen sich so unter anderem noch eine Küche, ein Hotel und ein Forschungslabor hinzu. Während man in der Küche zum Beispiel Gegenstände zur Benutzung im Kampf herstellt (natürlich per AR-Technologie auf der heimischen Herdplatte), kann man im Hotel alle Invizimals wie in einer Bibliothek detailliert betrachten und ihnen sogar ein anderes Aussehen verpassen. Im Forschungslabor dagegen tüftelt der Spieler an Verbesserungen der Zentrale. Bei diesen „Anhängseln“ wird zumeist auch die Augmented-Reality-Technologie eingesetzt, was an dieser Stelle allerdings aufgesetzt und unnötig wirkt.


Nach jedem Sieg gewinnen die eingesetzten Invizimals und auch der Spieler selbst an Erfahrung dazu.


Du hast es in der Hand
Invizimals: Das Bündnis bietet auch eine gewisse Rahmenhandlung, die durch das Fangen der Monster und dem Gewinnen bestimmter Kämpfe vorangetrieben wird. Diesen Typ Story hat man allerdings schon in vielen Spielen zuvor so ähnlich erlebt. Man schlüpft in die Rolle eines auserwählten Kindes und muss mithilfe seiner PS Vita die Welt der kleinen Tierchen retten, indem man die bösen, industriell gefertigten Roboter-Invizimals besiegt und so wieder Ruhe und Frieden in die Parallelwelt bringt. In zugegebenermaßen sehr schönen Zwischensequenzen wird die Geschichte kindgerecht erzählt, sonderlich spannend oder gar spektakulär ist die Story aber leider nicht, obwohl sie zu Beginn des Spiels durchaus Neugier erweckt. Unterm Strich ist sie nur durchschnittlich, erfüllt aber ihren Zweck.

Für die Spieler, die nach einiger Zeit nach einer Abwechslung zu den insgesamt zu leichten Kämpfen gegen die KI suchen, bietet der Titel auch noch einen Online-Modus mit vier verschiedenen Auswahlmöglichkeiten. So kann man einerseits per Ad-Hoc oder im Infrastruktur-Modus gegen andere Spieler antreten. Die Verbindung gegen fremde Spieler war immer sehr stabil, allerdings braucht das Spiel manchmal relativ lange zum Verbinden und zudem kommt es sehr oft vor, dass man gegen deutlich stärkere Gegner antritt und nicht den Hauch einer Chance hat. Eine Rangliste hat das Spiel leider nicht zu bieten, aber immerhin gehen online verdiente Punkte auf das Konto des Gesamtrangs. Interessant ist die Funktion, Invizimals mit der PS3-Version auszutauschen, auch wenn der PS3-Ableger deutlich weniger unterschiedliche Monster zu bieten hat. Daher ist diese Funktion wohl eher für Spieler der Heimkonsole einen Blick wert.


Die Handlung wird in sehr schönen Zwischensequenzen erzählt


Die Grafik tut’s dem Gameplay gleich
Im Hinblick auf die Optik gibt es im Prinzip nicht viel zu meckern. Der Titel bietet die volle Auflösung und die scharfen Texturen können durchaus überzeugen. Aufgrund dem sehr farbenfrohen Gesamteindruck kann man wieder sagen, dass das Spiel sich für vor Allem für Kinder eignet, und nichtsdestotrotz oder gerade deswegen haben die Entwickler mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Zwar sind die Lichteffekte nicht wirklich spektakulär, in einem Spiel wie diesem kommt es darauf allerdings wohl eh nicht an und dafür gibt es auch viele schöne Effekte zu bestaunen. Die Invizimals sind stets gut animiert und stärkere Attacken während der Kämpfe sind wuchtig inszeniert. Das einzige große Manko in Sachen Grafik ist die Tatsache, dass in diesem Spiel sehr viel mit der überaus schlechten Vita-Kamera gemacht wird, welche fast nie wirklich schöne Bilder abliefert. Das ist aber nicht den Entwicklern zuzuschreiben.

Akustisch lässt das Spiel im Vergleich zur guten Grafik allerdings leicht ab. Die Vertonung in den schönen Videos ist natürlich gut gelungen und auch komplett deutsch synchronisiert. Die Hintergrundmusik dagegen ist eher unauffällig und eher nervig statt motivierend. Invizimals: Das Bündnis bietet auch einen Kommentator in den Kämpfen, der sich leider schon nach kurzer Zeit wiederholt und daher eher überflüssig erscheint.

Invizimals PSVita-Forum.de Test Fazit
Invizimals: Das Bündnis ist ein durchaus gelungener Exklusivtitel für die PS Vita, der es allerdings in Sachen Qualität nicht mit anderen großen Vita-Titeln aufnehmen kann. Der Großteil des Spiels wurde zwar ganz nett und kindgerecht umgesetzt, wirklich beeindrucken kann das Spiel nach anfänglich hohem Spaßfaktor aber nicht mehr. Trotz der vielen sammelbaren Invizimals fühlt sich das Spiel insgesamt nicht wie eine runde Sache an. Dennoch bleibt ein guter Gesamteindruck, denn die Liebe zum Detail ist häufig spürbar. Unterm Strich ist das Spiel für diejenigen empfehlenswert, denen das Genre gefällt und die Kindlichkeit nichts ausmacht.
Invizimals PS Vita PS4 Logo 8/10

Das hat uns gefallen...
+ Gute Ausnutzung der AR-Technologie…
+ Dynamische Kämpfe…
+ 140 Invizimals zum Sammeln
+ Motivierendes Levelsystem
+ Insgesamt gelungene Grafik
+ Cross-Play-Funktionen mit PS3-System…
und das nicht!
- …mit kleineren, aber frustrierenden Schwächen
- …die allerdings zu leicht ausfallen
- Rahmenhandlung nur biederer Durchschnitt
- ...aber ansonsten belangloser Mehrspielermodus